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RAUSWACHSEN - ZUWACHSEN von Piercings.
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Hans Neuling
Anmeldedatum: 18.12.2009 Beiträge: 38 Wohnort: Wien
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Verfasst am: 20.01.2010, 13:24 Titel: RAUSWACHSEN - ZUWACHSEN von Piercings. |
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Hinweise zum Verfassen einer Facharbeit zum Thema „Piercings“ oder “bodymod“ überhaupt.
Herauswachsen und zuwachsen.
Vorbemerkung:
Der Artikel (vom Jan. 2006) war an jemanden gerichtet, der in einem Forum Hilfe suchte, weil er in der Schule innerhalb der nächsten Monate „eine längere Arbeit über Piercings“ schreiben wollte / sollte.
Natürlich begehrte der / die das Abi anstrebende Schüler(in) „ALLES“ über das Thema zu erfahren. So ein Vorhaben ist von vornherein sinnlos, der riesige Stoff ist zu gewaltig, eine totale Überforderung und heilloses Chaos sind vorprogrammiert.
Eine vorherige Einigung mit dem / der Lehrer(in) über einen Teilbereich ist absolut notwendig. Ein nicht total ahnunsloser Lehrer wird das Thema ohnehin eingrenzen. (Die letzte mir bekannte ernsthafte Arbeit über eine sehr interessantes Kapitel des enorm großen Bereiches „Bodymodification“ ist die 300- Seiten umfassende Abhandlung von Rhea Kälin an der Universität Zürich - und auch sie hat sich auch „nur“ ein Gebiet ausgewählt: „Psychologische Aspekte von Piercings und anderen Körperveränderungen.“)
Die Antworten erfolgten zahlreich, denn fast jede(r) fühlte sich ob der erbetenen „Hilfe von Leuten, die sich auskennen“ geschmeichelt und wähnte sich als Fachmann / Fachfrau. (Beweiskeule: ich habe selbst ein Piercing, also bin ich kompetent!) Die eingegangenen Ratschläge und Behauptungen (besonders zur Abheilung und Pflege) waren dennoch teilweise schauderhaft .
Aufgrund einer persönliche Anfrage zu den im Titel genannten Vorgängen entstand dann dieser (im Original nun nicht mehr existierende) öffentliche Beitrag.
Weil ich faul bin, kopiere ich ihn einfach und füge nur eine einzige Einschub- Anmerkung hinzu und kürze die darauffolgende Stelle.
o o o o o o o o o o o o o
Zuerst mal ein kurzer Hinweis, den üblichen schlampigen Gebrauch der Termini (Einzahl Terminus = der Fachausdruck) „piercen“ und „Piercing“ betreffend:
du sagtest, du sollst alles in „hochdeutsch“ schreiben und vortragen - natürlich schreibst du deine Arbeit in hochdeutsch! (Niederdeutsch beginnt erst ab der Benrather Linie.) Auch in ganz Österreich spricht man „als alteingesessene Hauptstammsprache“ hochdeutsch, und zwar bajuwarisch - auch wenn das gewisse Leute nicht wahrhaben wollen. (Na ja, mit Ausnahme des kleinen Vorarlbergs, die haben die zweite Lautverschiebung nicht mitgemacht und reden alemannisch.)
Ich kann dich beruhigen: bei mir als Beurteiler der Arbeit wäre es schnurzegal, ob du „gepierct“ oder „gepierced“ schreibst, solange sprachlich alles andere einigermaßen in Ordnung ist und der Inhalt (das Fachliche) stimmt. Ich empfehle dir aber, bei der erstmals gewählten Schreibweise zu bleiben.
Statt des eingedeutschten Partizipiums kannst du gelegentlich auch „gelocht“ oder „gestochen“ verwenden, das ist absolut in Ordnung; der Infinitif wäre dann: durchstoßen, löchern, stechen, lochen, durchbohren; stanzen.
Beim dazugehörigen Nomen (Hauptwort / Substantiv) wird leider allenthalben aus Rücksichtlosigkeit oder aus geistiger Überforderung hemmungslos geschlampt. Es heißt übrigens „das Piercing“, nicht „der piercing“. Abgesehen davon ist die modern und „fortschrittlich“ sein sollende Kleinschreibung in deutschen Facharbeiten absolut unangebracht. Besondere Angeber oder stinkfaule Autoren / Kommentarablasser schreiben sogar die Satzanfänge (!) klein, was nicht einmal die Engländer tun. Besonders reizvoll für den Leser ist es, wenn das Satzzeichen „Punkt“ am Ende des vorangegangenen Satzes fehlt.
Die für mich beeindruckendste Schreibweise war „Biersing“, was mich immer an den Witz erinnert, daß ein Teilnehmer in der unsäglichen Fernseh- Schundsendung „big brother“ den Dichter „Shakespeare“ angeblich für eine Biersorte gehalten haben soll.
Ich rate dir dringend, den Terminus (Fachbegriff) NICHT in verschiedener Bedeutung zu verwenden - ein heilloses Durcheinander wäre die Folge! (Dasselbe Dilemma entsteht, wenn ein von dir immer korrekt im gleichen Sinn verwendeter Ausdruck von den Lesern mal so und mal anders aufgefaßt wird.) Das passiert aber mit dem ohnehin von jedem angeblich eindeutig kapierten Wort „Piercing“ !!
Das wird brutal mit mehrfacher Bedeutung besetzt, so nach der Vogelfrißoderstirb- Methode ... schmeck´s, lieber Hörer / Leser, und such´ dir aus, was gemeint ist. Wir Piercingfreunde haben glücklicherweise den Vorteil, daß der Kontext meist mehr hilft als in den anderen Fachbereichen: aus dem Sinnzusammenhang des ganzen Satzes läßt sich oft erkennen, was gemeint ist - das aber leider eben nicht immer.
Eine exakte Unterscheidung (ein Hinweis) ist immer ratsam, damit der Leser genau weiß, worum es geht: die Körperstelle, der Schmuck, der Stichkanal oder der Vorgang der Applikation (das Anbringen / „Montieren“).
Sicherheitshalber je ein (schwammig- schlampiger) Standardgebrauch:
. Das Piercing dort tut besonders weh. (Rate, was das heißen soll.)
. Ich habe mein Piercing verloren. (Offen bleibt: Der Schmuck ist rausgewachsen. Die Kugel ist in den Abfluß gerollt. Der Stichkanal ist zugewachsen. Ich hab mir den Ring ausgerissen, den ich aber noch habe.)
. Dieses Piercing ist technisch einfach zu machen. (Der Schmuck läßt sich leicht herstellen. Die Montage ist stichtechnisch problemlos.)
Na denn, viel Erfolg bei deiner Bastelei wünscht dir ha
o o o o o o o o o o
Die Überschrift muß korrekt folglich so lauten:
Das Herauswachsen des Schmuckes - das Zuwachsen des Stichkanals.
Mit einer faszinierenden Hartnäckigkeit werden bestimmte Themen regelmäßig zu Tode gefragt - diese beiden gehören dazu. Hier ist eine kompakte Zusammenfassung.
Folgende Faktoren begünstigen das HERAUSWACHSEN:
. 1) falsche Plazierung (Stichkanal hätte einige mm seitlich / oben / unten ... verlaufen müssen oder ist zu wenig tief);
. 2) für den Ersteinsatz ungeeignetes Material. Häufigste Komplikationen bei Nickelallergie und zu viel Nickel abgebendem Einsatz, bei zu rauher Oberfläche (Holz, Horn) und bei Silberschmuck. (Letzterer ist nicht grundsätzlich ungeeignet!)
. 3) für die Körperstelle falscher Schmuck (Stärke, Durchmesser, Gewicht und / oder Schmuckart stimmen nicht). Für gewisse Stellen, z.B. für die Brustspitzen, sind gerade Stecker 2 mm einfach „behaltesicherer“ als dünne Ringe - das ist nicht nur biologisch, sondern auch physikalisch bedingt. Ein zu kleiner oder / und zu dünner PA- Ring verabschiedet sich ziemlich sicher bald.
. 4) mangelnde oder falsche Pflege (siehe auch den Fachartikel)
. 5) ungünstige individuelle Veranlagung
Ich habe exakt sauber gestochene Nabelpiercings gesehen (Ersteinsatz korrekterweise BanTit oder PMFK- Stecker!), die sich nach einem halben Jahr verabschiedet haben. Und ich kenne zwei Mädchen (wer will kann nun auch Frauen oder Matronen oder Emanzen sagen), die ihren Schmuck nun 7 und 9 Jahre tragen (Erstlängen 12 und 14 mm jeweils 1.6 mm, derzeit sind Bananen 6 und 8 mm drinnen).
Die folgenden Zeilen sind eine Wiederholung aus dem „Christina“- Beitrag, die vom Thema her aber sinnvollerweise dazugehören:
Bei den OBERFLÄCHENPIERCINGS ist die Wahrscheinlichkeit des Verlierens (durch Herauswachsen) natürlich weit höher als bei den klassischen Körperpiercings. Man findet das Zeugs heuzutage fast schon an jeder Körperstelle (auch in Gruppen). Um das Zurückbleiben von größeren Narben zu vermeiden, kommt es in letzter Zeit immer öfter vor, daß Ornamente, „Korsetts“ und Muster / Symbole nur einige Tage oder gar nur für eine Nacht zum Angeben geordert und getragen werden. Ein deutlicher Mengenrabatt im Piercingladen sollte in diesen Fällen allemal drinnen sein.
Es ist aber jedenfalls legitim, wenn jemand ein bestimmtes oder mehrere Oberflächenpircings ständig haben und es nicht mehr verlieren will. Na ja, wünschen darf man / frau es sich ja. Ich wiederhole nun die „Tricks“ / Hauptmöglichkeiten, ohne technisch näher darauf einzugehen, um eine günstigere Anpassung an die Oberfläche zu erreichen:
1) Mit Hilfe einer geschwungenen Nadel einen künstlich gewölbten tiefer gelegten Stichkanal erzeugen.
2) Auf bestimmte Art geformte Metallstecker (Enden in verschiedenen Winkeln und Höhen aufgebogen) verwenden.
3) Biegsames Material einsetzen.
4) Die „Tieferlegung“ und Verlängerung des Steckers, z.B. beim Venuspiercing von 22 auf 32 oder mehr mm („deep Christina“).
Ohne diese Hilfe(n) müßte der Stichkanal relativ knapp parallel zur gespannten glatten Hautoberfläche (eventuell zusätzlich sogar in einer Vertiefung wie beim Madison in der Drosselgrube!) verlaufen.
Nochmal: das sind Hilfen, auf die Piercer und Kunde (manchmal ganz innig) hoffen - Garantie gibt es keine!!!
Jedenfalls neigen nach bisherigen Erfahrungen gewisse Piercings sehr zum Herauswachsen, und einige wenige werden vom Körper früher oder später mit hoher Wahrscheinlichkeit / ziemlich sicher abgedrängt.
„Bisherige Erfahrungen“ = viele Piercings der gleichen oder zumindest vergleichbaren Art an vielen Menschen in vielen Ländern durch etliche Jahre beobachtet!
Wenn man / frau merkt, daß ein Herauswachsen unvermeidlich ist, sollte man nicht warten, bis der Schmuck von alleine abfällt, sondern ihn rechtzeitig ausfädeln, um damit eine größere als ohnehin unvermeidbare Narbe zu vermeiden. (Es sollten im Idealfall nur zwei kleine Punkterln übrigbleiben. Von fast nicht merkbar bis deutlich sichtbare längliche Narbe ist alles möglich.)
Die nunmehr gar nicht mehr so neuen (dem Ösi- Piercer verbotenen) Varianten der „neueren Applikationstechniken“ (Transdermals / Hautverankerungen = dermal anchors / Hauteintaucher = skin diver / Microdermals / Singlepoint Piercings)
haben in letzter Zeit enorme Verbreitung erlebt. (Sie werden gelegentlich schon als bedeutungsgleiche Begriffe gebraucht). Dementsprechend gewaltig sind die Nachfragen angestiegen, sodaß ich sie in einem eigenen Fachartikel besprochen habe. Hier nur so viel dazu:
Einige ganz wenige kritische Piercer sind der grundsätzlichen Ansicht, daß die besagten Montagetechniken aus einem einfachen Grund über lange Zeit nicht wirklich überlebensfähig sein können: weil sowohl eindringende schädliche Keime als auch innen entstehender Dreck nicht wie bei einem „normalen“ Piercing durch zwei Öffnungen abtransportiert werden können und die Haut- „Taschen“ gleichsam als Müllsammelplatz (und potentieller Infektionsherd) einladen.
Das ZUWACHSEN des Stichkanals hängt ab von
1) der Körperstelle (der Art und Lage des durchstochenen Gewebes); Zunge z.B. kann schon nach einer halben Stunde ratzeputz zu (verloren) sein, „geschlossenes“ Ohrläppchenloch kann jahrelang benützbar bleiben.
2) wie lange der Schmuck vor dem Rausnehmen drinnen war;
3) wie groß im Ø der Stichkanal war;
4) wie lange der Schmuck ausgefädelt bleibt / blieb;
5) und ebenfalls wieder von der individuellen Veranlagung.
Es gibt es also keine für die jeweilige Person exakten Angaben, sondern nur „Normwerte“ (Durchschnittsangaben)!!! Die können leicht (so wie die Verheilzeiten) den Standardbeschreibungen der jeweiligen Piercings entnommen werden.
Ich werde mich nun hüten, weitere Angaben zu machen, denn sonst kommt wieder so eine Dumpfbacke dahergesprungen und erklärt: „Du alter Dösel, ich habe mein ... nun schon ... Stunden / Tage / Wochen / Monate ... draußen, und es ist noch immer nix zugewachsen - laber wo anders deinen Müll!“ Oder, zum vorherigen Thema gehörend: „Ich habe mein Nacken- und mein Sternumpiercing seit 7 Jahren, 7 Monaten, 3 Wochen und 4 Tagen und die waren nach 2 Wochen und 3 Tagen und 2 Stunden vollkommen ausgeheilt und sitzen noch immer bombenfest, du häßlicher Miesmacher!“ Ich weiß dann nie, was ich nach meiner vorherigen eindeutigen Feststellung unter Punkt 5 noch antworten soll (außer „Das ist schön für dich!“).
Ich mache aber eine Ausnahme bezüglich der gedehnten Ohrlöcher: die dazugehörige Faustregel ist ja bekannt: ab 10 mm werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit, auch wenn sich die Löcher natürlich verkleinern, offen bleiben.
Und wenn jemand beim Verkleinern sogar nachhelfen will, weil ihm die „Fenster“ in den Ohrläppchen nicht mehr gefallen? Das Ohrli möglichst einfühlend- liebevoll massieren (z.B. mit Teebaumböl) und schrittweise kleineren Schmuck (Tunnels) einzusetzen scheint besser zu wirken als sogleich das gedehnte runterhängende Lapperl sich selbst zu überlassen. Im ersteren Fall wird es eher kreisförmig- rund, bei der anderen Variante ist das Ergebnis höchstwahrscheinlich ein länglich- ovaler Schlitz.
Also: „außenliegende“ Piercings (außerhalb des Genitalbereiches und des Mundraums) über einem bestimmten Durchmesser des Stichkanals, deren Abheilung komplett erfolgt ist (bei denen die Epithelisierung vollkommen abgeschlossen ist und die Haut außen und innen folglich gleichartig ist), können sich zwar „zusammenziehen“, aber nicht mehr zuwachsen. Der ursprüngliche Durchmesser kann folglich verlorengehen, der Stichkanal aber nicht.
Beim Bandschn im Knorpelgewebe (was meines Erachtens nur dort sinnvoll ist) ab 8 / 10 mm ist das Locherl ziemlich sicher irreversibel (geht nicht mehr zurück = bleibt erhalten; allenfalls bildet sich ein dünnes Häutchen darüber). Dieses „Herausstanzen“ erachte ich am Ohrläppchen nicht als sinnvoll. Und Interessenten für Oberflächenpiercings schicke ich in der Regel auch weiter. Ich bin so ein arroganter Bösling. Gruß ha |
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Verfasst am: Titel: http://www.forum-piercing.de |
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