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Piercings im NARBEN- und KNORPELGEWEBE



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Hans
Piercing König




Anmeldedatum: 18.12.2009
Beiträge: 272
Wohnort: Wien

BeitragVerfasst am: 16.03.2010, 12:41    Titel: Piercings im NARBEN- und KNORPELGEWEBE

Vorweg ein paar sehr knappe Informationen zur Haut, die das Gesagte im Haupteil besser verstehen helfen:
Die Haut ist das größte Organ des Menschen (Oberfläche 1,5 - 2 m2; macht etwa 16 % des Körpergewichts aus.) Haut und Hautanhangsgebilde (Haare, Nägel, Schweiß- und Talgdrüsen) prägen das genetisch bedingte einzigartige Erscheinungsbild.

AUFBAU der Haut:
1) Oberhaut (Epidermis)
Sie wird hauptsächlich von den Epithelzellen (den Keratinozyten) gebildet. Der äußerlich sichtbare Teil der Oberhaut besteht aus einer Hornschicht, die von abgestorbenen Zellen gebildet wird. (Durch Schuppung und Nachbildung wird sie ständig ersetzt).
In der Basalzellschicht (Regenerationsschicht), der innersten von fünf Epidermis- Schichten, erfolgt durch Zellteilung die Neubildung der Keratinozyten. Es dauert etwa 28 Tage, bis ein neugebildeter Keratinozyt bis an die Hautorfläche (Hornschicht) gewandert ist. In der Basalzellschicht befinden sich (unter anderem!) die Melanozyten, die das Pigment bilden, welches für die Hautfarbe verantwortlich ist.
2) Lederhaut (Dermis)
In ihr befinden sich: Kapillaren (= die feinsten Adern); Lymphgefäße (zum Abtransport des Gewebewassers); Nerven; Zellen der Immunabwehr; Talg- u Schweißdrüsen; Haare, Haarwurzeln und Nägel; Tastsinn.
Die untere Lage der zweischichtigen Lederhaut besteht aus einem dichten Netz elastischer Fasern, das der Haut ihre Widerstandsfähigkeit und reversible Verformbarkeit gibt (Festigkeit und Dehnbarkeit).
3) Unterhaut (Subcutis)
Sie besteht aus lockerem Bindegewebe, was die Verschiebbarkeit der Haut ermöglicht, sowie aus Fettgewebe > > sie dient also als Fett(Energier)speicher und zusätzlich als Wärmeisolator.

o o o o o o o o o o o

Wenn nach dem Herauswachsen eines Steckers / Ringes ein neuer Versuch angegangen werden soll, so ist die Zweitapplikation knapp vor / hinter dem als auch im vernarbten Gewebe schon seit langem üblich und auch manchmal erfolgreich.
Grundsätzlich jedoch besteht eine NARBE aus MINDERWERTIGEM GEWEBE! Eigenschaften: derb; hell / weiß (weil es keine Melanozyten mehr enthält); faserreich; enthält fast keine Kapillaren; deutlich geringere Elastizität und Belastbarkeit gegenüber dem normalen Bindegewebe.
Narben bilden sich bei der Wundheilung (siehe diese im Suchfenster) aus dem Granulationsgewebe - es ist ein „Ersatzgewebe“, das an der (Schleim)Haut von einer Außenschicht regenerierter Epithelzellen bedeckt ist.
Narben entstehen ferner bei / nach Verletzungen, Geschwüren, ... , besonders bei Verbrennungen und (operativen) Hautdurchtrennungen; sie können, wie fast jeder schon selbst erlebt hat, auch bei ungestörter Wundheilung entstehen.

Piercings im Knorpel betreffen fast immer das Mittel- und Oberohr (selten die Nase). Das Knorpelgewebe ist entstehungsmäßig (histologisch) und im Aufbau (anatomisch) zwar anders als das Narbengewebe, aber beiden gemeinsam ist die für die Heilung äußerst unangenehme Durchblutungssituation! Na ja, der Knorpel ist sogar noch schlechter dran - er enthält überhaupt keine Kapillaren!
Er wird folglich nur von der umgebenden Haut ernährt ( = geheilt ! ) und weist somit eine erheblich längere Abheilphase auf und ist damit auch gefährdeter - auch für Hypergranulation > Bandschn im Knorpelbereich (aber nur dort, ein Stanzen im Ohrläppchen ist nicht angebracht) ist eine durchaus überlegenswerte Alternative, um durch Druckentlastung das Risiko einer Wildfleischbildung zu vermindern. Garantie ist es aber keine.
Genügend Zeit zur Vernarbung lassen!

Das Einsetzen von Hautankern / Microdermals im Narben- oder Knorpelgewebe sollte technisch kein Problem sein, aber aufgrund der oben genannten Fakten muß man / frau mit einer deutlich längeren Abheilzeit oder mit einem (auch in normaler Haut oft genug vorkommendem) Scheitern rechnen. Es gibt noch zu wenige Belege und Vergleiche, wo sie weniger schlecht halten (Stand Nov 2009), schon allein deshalb, weil solch neuere Montagearten im Ohrknorpel nicht sinnvoll erscheinen.
Der Schmerz bei der Verankerung im Narbengewebe (als auch beim üblichen Piercen) gilt als deutlich merkbarer als im normalen Gewebe; es ist dies aber ohnehin eine stets umstrittene sehr individuelle Angelegenheit mit nur einigen objektiv gesicherten feststellbaren Tatsachen (siehe "Schmerzvermeidung beim Piercen").
Das Weiten im Narben- oder Knorpelgewebe ist natürlich auch möglich. Dabei ist es dringend angeraten, die übliche Vorgangsweise (NICHT zu schnell und nicht zu große Dehnschritte) besonders sorgsam einzuhalten. Viel Spaß dabei vor allem beim Dehnen eines Knorpelloches wünscht ha


Bibliographie / QUELLENverzeichnis

„Medizin und Gesundheit“, Verlag Lingen, Köln 2004

Anatomie im Überblick: www.m-ww.de/anatomie_atlas

Anatomiebuch „Prometheus“ von Michael Schünke / Erik Schute / Udo Schumacher, Verlag Thieme 2004 / 1 bzw 2005 / 1
(Eines der Standardwerke; ausgezeichnete farbige Darstellungen; für Piercer ungeeignet, da die Fülle des Gebotenen den unerfahrenen oder schnell suchenden Leser erdrückt; niemals einem nur oberflächlich bekannten Medizinstudenten herborgen.)

Brockhaus- Lexikon in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim

http://de.wikipedia.org/wiki/Knorpel

„Kosmetik“ - Das Buch zum Beruf. Herausgeber Dr. I. B. Peters, Bildungsverlag EINS- Stam, Troisdorf 2005 / 2

Unterlagen (+ persönliche Vorträge einschließlich Fragenbeantwortung) zur niederösterreichischen Piercingprüfung (medizinischer Teilbereich St. Pölten, Herbst 2004): Philipp Olivier: „Anatomie, Physiologie / Wundheilung, Hygiene, Virologie ... “ , WIFI St. Pölten, Sept. 2003

„Wie das IMMUNSYSTEM nach dem Piercen reagiert“ (Juni 2006):
http://www.wildcat.de/index.php?view=0c-articleshow&id=4178&cat=1
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