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D I A B E T E S Typ II

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Hans Piercing König
Anmeldedatum: 18.12.2009 Beiträge: 272 Wohnort: Wien
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Verfasst am: 19.01.2012, 22:49 Titel: D I A B E T E S Typ II |
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Diabetes vom Typ 2
http://www.forum-piercing.de/diabetiker-t266.html
Eine unglaublich klingende Behauptung leitet den Artikel ein: wenn man heutzutage (2012) die Entwicklung der letzten Jahre zugrunde legt, dann werden in Österreich und Deutschland (in Europa) IN 20 JAHREN DREI VIERTEL DER GESAMTBEVÖLKERUNG an schwersten Defekten durch eine (oder mehrere!) der folgenden Krankheitsgruppen leiden:
* Allergien * seelische Krankheiten * Bewegungsapparatschäden * Stoffwechselkrankheiten * Raucherfolgeschäden *
(Ob die Behinderungen selbstverschuldet sind oder nicht, ist für das Ergebnis unerheblich - nicht jedoch in gewissen Fällen für in Zukunft zu erwartende finanzielle Beteiligungsansprüche / Selbstbehalte!) Die Prognose stammt nicht von mir: ernstzunehmende Wissenschaftler machen wenige Krankheiten für die Leiden des weitaus größten Teils der Menschen verantwortlich - nachzulesen in jeder besseren Fachzeitschrift.
Wie die verschiedenen Begleit- oder Folgekrankheiten diesen Hauptgruppen hinzugerechnet sind, das ist nicht so wichtig. Zum Beispiel ist folgende laienhafte Zuordnung möglich:
Rasant zunehmende Hautschäden und aus der Bahn geworfene körpereigene Zellen („Krebs“) sind dabei an die Allergien / an das verstörte Immunsystem angehängt.
Neurosen / Psychosen und Suchtverhalten aller Art werden den psychischen Defekten zugeschlagen.
Die als „metabolisches Syndrom“ zusammengefaßten zu hohen Druck-, Zucker- und Fettwerte des Blutes (mit den immer häufigeren Folgen Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall) werden den Stoffwechselkrankheiten angekreidet.
Die Raucherfolgekrankheiten passen überall hinein (Bronchialkarzinom, Suchtabhängigkeit, Blutgefäßschäden).
Über den sich für die Bevölkerung (und für die Krankenkassen) immer grausamer auswirkenden Diabetes gibt es bis jetzt keinen brauchbaren Beitrag hier - dies soll nun nachgeholt werden.
D I A B E T E S mellitus
(griech. δiαβ€τ€ς = das Durchfließen, lat. mellitus = honigsüß) ist eine in absehbarer Zeit vermutlich nicht heilbare chronische Stoffwechselerkrankung, bei der das Hormon Insulin fehlt oder nur unzureichend wirkt und es dadurch zu einer Erhöhung des Blutzuckers und in Folge zu einer Abgabe des Zuckers beim Pinkeln kommt. Daher heißt sie auch Zuckerkrankheit und wurde früher durch eine Verkostung des süßlich schmeckenden Urins diagnostiziert. Die Krankheit ist heute doppelt so häufig wie noch vor 25 Jahren; das Risiko, an Diabetes zu erkranken, steigt mit dem Alter, es wirken aber auch noch andere Faktoren wesentlich mit.
Jeder Mensch hat Zucker im Blut, der außer natürlich direkt von den verschiedenen Zuckerarten von den Kohlehydraten stammt, die wir mit der Nahrung aufnehmen. (Die beiden anderen wichtigen Nahrungsbestandteile sind Fett und Eiweiß.) Alle Kohlehydrate sind aus mehreren Zuckerbausteinen aufgebaut. Man stelle sich einen Zug mit mehreren Wagons vor: der gesamte Zug sind die Kohlehydrate, die einzelnen Waggons sind Zuckerbausteine. Im Darm gibt es bestimmte Enzyme (Bestandteile der Verdauungssäfte), die diese Kohlehydrat- Ketten in ihre Zuckerbausteine aufspalten.
Der Zucker ist unser unverzichtbarer Energielieferant, die Nahrung für jede einzelne Zelle - wir brauchen auch dann Zucker, wenn wir nichts futtern (z.B. in der Nacht oder beim Fasten). Auch dann benötigt der Körper Energie (das Herz um zu schlagen, die Lungen um zu atmen ...)
Die LEBER ist das Organ, das den Zucker bereitstellt. Sie kann Zucker speichern und bei Bedarf abgeben, sie kann aber auch aus Fett und Eiweiß selbst Zucker produzieren. Der Zucker im Blut muß zur Verarbeitung aber erst in die Körperzellen gebracht werden - genau das wird durch das Insulin ermöglicht.
INSULIN ist ein Hormon, das in den Langerhans´schen Inseln der Bauchspeicheldrüse (die gleich hinter dem Magen neben dem Zwölffingerdarm liegt) gebildet und von dort ins Blut ausgeschüttet wird > daraufhin bekommt der Körper Energie (das Insulin „öffnet die Türe zur Zelle“) und der Blutzuckergehalt sinkt. (Beim Gesunden hält dieser Regelmechanismus den Blutzuckerspiegel annähernd konstant, was sehr wichtig ist.)
Umgekehrt: bei zu wenig Insulin (oder wenn dieses nicht ausreichend wirkt) kann der Zucker nicht in´s Blut gelangen > die Zelle hungert, denn der Zucker bleibt im Blut > der Blutzuckerspiegel steigt ... mit äußerst unangenehmen (Spät)Folgen für den Gesamtorganismus!
Aber auch die Zuckerneubildung in der Leber ist bei Insulinmangel gestört, und zwar insofern, als sie nicht gehemmt wird > daher steigt der Blutzuckergehalt auch dann, wenn man nichts ißt.
Gewichtsabnahme ist ein Kennzeichen von Insulinmangel bei Typ 1.
Es gibt zwei Ursachen für den zu hohen Blutzuckergehalt:
1) Insulinmangel = es ist kein (oder fast kein) Insulin vorhanden > Diabetes Typ 1: die Zellen der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin liefern sollen, sind ausgefallen (das körpereigene Immunsystem zerstört sie wahrscheinlich bereits in frühester Kindheit; ob Viren, Giftstoffe ... oder andere Ursachen schuld sind, ist derzeit noch nicht bekannt) > absoluter Insulinmangel > solche Diabetiker (meist schlanke Jugendliche) müssen immer Insulin durch Injektionen zuführen, weil sie selbst kein (oder viel zu wenig) Insulin produzieren.
Wenn Typ 1- Diabetiker Insulin spritzen und dann nichts essen, dann haben sie zuviel Insulin im Blut, und dieses schleust den Zucker in die Zellen unabhängig davon, ob in diesen schon genug Zucker vorhanden ist oder nicht > es droht eine Unterzuckerung des Blutes!
2) Insulinresistenz / Insulinunempfindlichkeit > das vorhandene Insulin kann das „Schloß“ zur Zelle nicht öffnen = Diabetes Typ 2. Dafür sind zwei Faktoren entscheidend:
* Eine verminderte Insulinwirkung durch jahrelange hohe Kalorienzufuhr > ständiger Reiz für Insulinfreisetzung > sehr hoher Insulinspiegel im Blut > ein Gewöhnungseffekt tritt ein und die Zelle reagiert nicht mehr so verläßlich wie früher auf Insulin, der Mensch / die Menschin ist vom prachtvoll gerundeten Rollmops zum überreichlich (und oft auch falsch) genährten Wohlstandsbürger geworden.
* Eine verminderte Insulinwirkung durch Übergewicht > Insulinabgabeverminderung = es wird weniger Insulin aus der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet, weil diese durch jahrelange Überforderung erschöpft ist und nicht mehr ausreichend Insulin produzieren kann. Die Folge ist ein Insulinmangel. Beim Typ 2 spielt die genetische Veranlagung eine noch nicht restlos geklärte Rolle (fast jeder eineiige Zwilling eines Typ 2- Diabetikers wird ebenfalls Diabetiker).
Typ 2 beginnt meistens nach dem 40. Lebensjahr, kann aber auch viel früher auftreten. Die Insulinproduktion - die bei Normalgewicht vielleicht noch genügt hätte - ist nicht mehr ausreichend. Es wird jedoch zumindest am Anfang noch ziemlich viel Insulin bereitgestellt.
Im Gegensatz zum Typ 1 tritt beim Typ 2- Diabetes fast nie eine Gewichtsabnahme und nur selten vermehrter Pinkeldrang und Durstgefühl auf. Müdigkeit, Schwäche, ständiges Hungergefühl, Gewichtszunahme und depressive Verstimmungen kommen zwar vor, weil diese Symptome aber zu fast jeder anderen Krankheit passen, wird der zu hohe Blutzuckergehalt häufig erst nach Jahren durch Zufall bemerkt.
Bei Typ 2 kommt eine gesteigerte Zuckerproduktion der Leber (Glukoneogenese) hinzu. Das Hormon Insulin hemmt, das Hormon Glucagon steigert diese Zuckerneubildung. Das folglich den Zuckerspiegel anhebende Glucagon wird vermehrt als Antwort auf den Zuckerbedarf in den Körperzellen gebildet.
Empfohlene Blutzucker- „Normalwerte“: nüchtern 80 - 100 mg / dl * 2 Stunden nach dem Essen: < (kleiner) als 140 - 160 mg / dl.
Einen Anhaltspunkt über die Blutzuckereinstellung der letzten 6 - 8 Wochen gibt der Langzeitwert HbA1c: der rote Blutfarbstoff Hämoglobin (Hb) kann nämlich Zucker binden. Je höher der Blutzucker war, umso mehr Zucker wird / wurde an das Hämoglobin angelagert > HbA1c ist erhöht.
Normwerte: HbA1c < 6 % beim Stoffwechselgesunden; < 6,5 % optimale Diabeteseinstellung; < 7 % gute Diabeteseinstellung
T H E R A P I E bei Diabetes Typ 2
Die Fachwelt ist sich einig, daß ein „Stufenplan“ die bestmögliche Behandlung ist:
. 1) bei Normalgewicht Ernährungsumstellung,
. 2) bei Übergewicht zusätzlich Diät / Gewichtsreduktion (weniger Kilos vermindern die Insulinresistenz) und Bewegung. Diese bewirkt bessere Durchblutung > erhöhtes Sauerstoffangebot an die Zelle > die Zellwand wird wieder empfindlicher gegenüber Insulin. Der Zucker kommt gemeinsam mit dem Insulin genau dorthin, wo beide hingehören, nämlich zur Zelle. In einem Satz gesagt: mehr Bewegung / Sport verbessert die Insulinempfindlichkeit.
Andersrum: Übergewicht, hohe Blutfettwerte und freie Fettsäuren (die beim Abbau von Fett entstehen) führen zu einer Insulinunempfindlichkeit > das Hormon wirkt nicht mehr so gut und es entsteht ein erhöhter Bedarf an Insulin, was schließlich zu einer Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse führt.
. 3) Erst dann Medikamente und
. 4) Insulinzufuhr.
M e d i k a m e n t ö s e Therapie
Kurze Übersicht: Tabletten können dem Körper zwar kein Insulin zuführen, aber sie vermögen die Bauchspeicheldrüse anzuregen, mehr Insulin zu produzieren (Sulfonylharnstoffe). Oder sie sollen die Insulinempfindlichkeit des Körpers steigern (z. B. Metformin und Glitazone). Andere Tabletten sollen über eine Hemmung der Kohlenhydratverdauung wirken (Acarbose). Die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Tabletten ist in Langzeitstudien nur für den Sulfonylharnstoff Glibenclamid und (bei übergewichtigen Patienen) als Monotherapie auch für das Metformin bewiesen. Für Patienten, die zusätzlich eine koronare Herzkrankheit haben, und für alle anderen Diabetes- Tabletten gilt dies nicht.
Blutzuckersenkende Tabletten können nur wirken, wenn die Bauchspeicheldrüse noch imstande ist, Insulin zu produzieren. („Diätsünden“ können so nicht ausgeglichen werden.) Sie sind laut amerikanischer Ärztevereinigung nur bei einer Minderheit von Altersdiabetikern sinnvoll, und zwar dann, wenn bei übergewichtigen Frust- und Lustessern durch eine Diät mindestens 3 bis 5 Kilogramm abgenommen oder das Normalgewicht erreicht werden kann, beziehungsweise wenn eine angemessenete Diät zur Einstellung des Blutzuckerspiegels nicht ausreicht und noch eine Restmenge Insulin produziert wird. (Und wenn alte Menschen nicht in der Lage sind, sich selbst Insulin- Injektionen zu geben.)
Bei vollständigem Insulinmangel muß ohnehin Insulin gespritzt werden. Die Gruppe, bei der die Diät nicht mehr reicht und Insulin noch nicht nötig ist, macht höchstens ein Drittel der Typ 2- Diabetiker aus. Im Ösiland und seinem nördlichen Nachbar ist es jedoch so, daß die überwiegende Anzahl der Altersdiabetiker mit derartigen Tabletten vollgestopft wird. Statistiken zeigen, daß sie im Durchschnitt fünfmal häufiger Tabletten gegen Zuckerkrankheit verordnet bekommen als die Briten und etwa doppelt so häufig wie die Schweizer. Das kann nur bedeuten, daß Tabletten gegen Diabetes in Österreich und in Deutschland “in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle unsachgemäß eingesetzt werden“.
Die wichtigsten Substanzgruppen, die den Blutzucker senken:
. 1) Acarbose (a- Glucosidase- Hemmer).
Wiederholung: Zucker wird in Form von Kohlehydraten aufgenommen, die langen Kohlehydratketten werden von den Verdauungssäften aufgespalten. Die Acarbose hemmt die Aufspaltung dieser langkettigen Kohlehydrate in die einzelnen Zuckerbausteine > weniger Zucker gelangt ins Blut / geringerer Blutzucker- Anstieg, was bedeutet: die Aufnahme von Zucker ins Blut wird verzögert und es kommt zu einem langsameren, gleichmäßigeren Blutzuckeranstieg. Einnahme unmittelbar beim Futtern. * Keine Gefahr einer Unterzuckerung.
Die ungespaltenen Kohlehydrate gelangen in den Dickdarm, wo sie den Darmbakterien als Nahrung dienen. Als Nebenwirkung kann es zu Gasdruck im Gedärm und damit zu vermehrter Pforzerei kommen.
Kritisch ist folgender Hinweis: Glucobay, ein in Deutschland auffallend häufig verschriebenes Mittel, hat laut Fachzeitschrift „arznei- telegramm“ nicht einmal als Begleittherapie eine Berechtigung. Das Verspeisen eines Müslis hat dieselbe Wirkung, nämlich eine Verlangsamung der Zuckerabgabe aus dem Darm ins Blut. Der Nutzen ist zweifelhaft, und außerdem treten als Nebenwirkung sehr häufig (bei bis zur Hälfte aller Patienten) Magen- Darmstörungen auf.
Diastabol hat eine ähnliche Wirkung wie Glucobay. Die Fachpublikation „Arzneimittel- Kursbuch“ schreibt: mäßiger Nutzen, fehlende Langzeiterfahrung.
Zu dieser Gruppe gehören Glucobay, Diastabol (Miglitol) ...
. 2) Biguanide (Metformin)
Metformin verbessert die Insulinempflindlichkeit der Muskelzellen und im Fettgewebe (die Zellen können mehr Zucker aufnehmen und verwerten = Verbesserung der Wirksamkeit von Insulin.). Zusätzlich Verzögerung der Zuckeraufnahme aus dem Darm, und auch die körpereigene Produktion von Zucker in der Leber geht zurück > langsamer Blutzuckeranstieg nach der Mahlzeit > Verringerung der Blutzuckerspitzen. Metformin erleichtert auch die Gewichtsabnahme.
Einnahme zu den Mahlzeiten. * Metformin verursacht keine Unterzuckerung.
Kontraindikation: eingeschränkte Leber- und Nierenfunktion.
Die Kombination von Metformin mit Sulfonylharnstoffen hat laut einer großen Studie („Bittere Pillen“, 2005 / 77) zu einer erhöhten Sterblichkeit geführt. Viele Patienten, die dringend Insulin oder Bewegung brauchen würden, erhalten manchmal nur Metformin verschrieben, was schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann.
Anders formuliert: Metformin kann den Blutzuckergehalt tatsächlich senken. Doch lassen sich mit diesem Medikament nur etwa halb so viele Diabeteserkrankungen verhindern, wie durch eine Umstellung der persönlichen Gewohnheiten möglich wäre. Pillenschlucken ist zweifellos weniger mühsam, als mit regelmäßiger körperlicher Bewegung der Zuckerkrankheit vorzubeugen. Es muß folglich die Frage erlaubt sein, ob eine solche „Medikamentenstrategie“ angebracht ist gegenüber einem Gesundheitsproblem, das man ebensogut mit einer Änderung der Lebensweise in den Griff bekommen könnte (wikipedia).
Zu dieser Gruppe gehören Glucophage, Diabetex, Orabet ...
. 3) Sulfonylharnstoffe
steigern die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse und die Freisetzung von Insulin ins Blut > es steht mehr Insulin zur Verfügung. Sie können nur solange wirken, solange die Bauchspeicheldrüse noch ausreichend arbeitet. Allerdings helfen sie nicht immer: bei jedem fünften Patienten wirken sie von Anfang an überhaupt nicht, bei jedem zweiten setzt die Wirkung später aus. Dann ist eine Insulintherapie erforderlich > es ist daher sinnlos, bei fehlender Wirkung ein anderes Medikament auszuprobieren. Unterschiede liegen im unterschiedlich schnellen Wirkungseintritt.
Nebenwirkung: weil das Medikament das Insulin erhöht und dieses den Blutzucker senkt, kann es nach der Einnahme auch zu einer Unterzuckerung kommen.
Kontraindikation: eingeschränkte Nierenfunktion, Schwangerschaft.
Der Diabetes- Fachmann Professor Michael Berger aus Düsseldorf warnt davor, Sulfonylharnstoff- Mittel an Patienten zu verschreiben, die an einer koronaren Herzkrankheit leiden. (Dies betrifft in Deutschland etwa jeden zweiten Diabetiker! Offenbar wirken sie sich in diesen Fällen negativ auf die Herzmuskeldurchblutung aus.)
Zu dieser Gruppe gehören: Diamicron, Amaryl, Euglucon, Glucobene, Glurenorm, Normoglucon, Glibenclamid, Minidiab ...
. 4) Insulinreleaser
(engl. to [ri´li:s] = entlassen, freigeben) setzen zu den Hauptmahlzeiten kurzfristig Insulin aus der Bauchspeicheldrüse frei > es steht mehr Insulin beim Essen zur Verfügung. Insulinreleaser können ebenfalls nur solange wirken, solange die Bauchspeicheldrüse noch ausreichend funktioniert. Nebenwirkung: diese neuen Mittel steigern die Insulinausscheidung aus der Bauchspeicheldrüse sehr schnell nach der Einnahme, und weil das Insulin den Blutzucker senkt, haben sie ein hohes Risiko für eine gefährliche Unterzuckerreaktion.
Kontraindikationen sind eingeschränkte Leber- und Nierenfunktion.
Zu dieser Gruppe gehören Nateniglid (z. B. in „Starlix“) und Repaniglid (z.B. in „Novoform“) und andere.
Es gibt bis jetzt keine Langzeituntersuchungen in Bezug auf Wirksamkeit und Sicherheit. Nur zur gleichzeitigen Behandlung mit Metformin zugelassen. Vertretbar nur in begründeten Ausnahmefällen als Zusatztherapie, wenn Metformin als Einzelsubstanz nicht ausreichend wirkt.
. 5) Insulinsensitizer
(engl. to [´sensitaiz] = empfindlich machen) erhöhen die Insulinempflindlichkeit von Fett- und Muskelzellen = sie verbessern die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen und wirken somit der Insulinresistenz entgegen. Das im Körper vorhandene Insulin kann mehr Zucker aus dem Blut in die Zellen transportieren. Verursachen keine Unterzuckerung.
Kontraindikation: Herzinsuffizienz, Lebererkrankungen,
Zu dieser Gruppe gehören: Rosiglitazon z.B. in „Avandia“ und Pioglitazon z. B. in „Actos“ und andere.
Der Hersteller von Avandia preist das Medikament als „sehr gut verträglich“ an. Die Fachpublikation „Arzneimittel- Kursbuch“ kommt zum gegenteiligen Urteil - „ein bedenkliches Arzneimittel“. Als Nebenwirkungen können lebensbedrohliche Herzschwäche, Beinödeme (Wasseransammlungen im Gewebe), Gewichtszunahme, mögliche Leber- und Augenschäden auftreten. Außerdem fehlen Langzeiterfahrungen mit diesem Mittel.
Actos dagegen soll nach bis jetzt vorliegenden Untersuchungen die Plaquebildung in den Korona- Arterien (Arteriosklerose) aufhalten.
. 6) DPPIV- Hemmer
verbessern vom Blutzucker abhängig die lnsulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse. Verursachen somit keine Unterzuckerung. Führen in der Therapie zu keiner Gewichtszunahme, wirken nur richtig bei übergewichtigen Patienten.
Keine Nebenwirkungen. Kontraindikation: schwere Niereninsuffizienz.
Zu dieser Gruppe gehört Januvia.
Erinnerung:
Notwendige Insulintherapie bei Typ I Diabetiker immer; bei Typ 2 Diabetiker, wenn Diät + Bewegung + Medikamente versagen, bei Auftreten von Spätkomplikationen, bei Schwangerschaftsdiabetes.
Das Insulin, das wir auch über den ganzen Tag brauchen, auch wenn wir keine Nahrung zu uns nehmen, nennt man Basalinsulin. Wenn wir etwas essen, brauchen wir zusätzliches Insulin = Eßinsulin (sofort wirkendes Insulin).
Unbehandelt führt der erhöhte Blutzucker im Laufe der Zeit unweigerlich zu Spätkomplikationen, weil die Glucose die Eiweiße im Körper auf Dauer nachteilig verändert > Schädigung vor allem der kleinen Blutgefäße > Durchblutungsstörungen, Organschäden - schon eine geringe Erhöhung des Blutzuckers über einen längeren Zeitraum kann Nerven und Blutgefäße schädigen.
Es gibt aber auch noch (als Folge von lnsulinresistenz oder Insulinmangel) die Hyperglykämie als Akutkomplikation, die kurzfristig im Rahmen einer Stoffwechselentgleisung auftreten und unbehandelt zum Koma führen kann.
(Akute) Überzuckerung = H Y P E R G L Y K Ä M I E :
Hyperosmolares Koma bei Typ 2 bei sehr hohen Blutzuckerwerten (500 - 1200 mg / dl); und ketoazidotisches Koma bei Typ 1 bei deutlich niedrigeren Werten (ab 300 mg / dl) bei Insulinmangel.
Folgen des andauernd zu hohen Blutzuckerspiegels (Wiederholung): der Zucker kann nicht in die Zelle aufgenommen werden > die Zelle bekommt keine Energie und hungert > Schwäche, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen = ähnliche Symptome wie bei Unterzuckerung.
Ein Teil des überschüssigen Zuckers wird über die Niere ausgeschieden (der besagte „honigsüße Durchfluß“). Weil der Zucker Wasser bindet, wird auch mehr Wasser ausgeschieden > häufiges Pinkeln, viel Durst. Geht zu viel Flüssigkeit verloren, kommt es zu einer „Austrocknung“ im Blutkreislauf. Das führt zu einer verminderten Hirndurchblutung und kann letztendlich im diabetischen Koma (ein Stadium, in dem aus Müdigkeit Bewußtlosigkeit wird) durchaus tödlich ausgehen.
Nur bei Typ 1: bei vermehrtem Fettabbau entstehen auch Aceton und Acetessigsäure. Dann kann es zu einer Übersäuerung des Blutes kommen, die lebensgefährlich wird, wenn nicht rechtzeitig Insulin zugeführt wird.
Weitere Folgen: lnfektanfälligkeit (Harnwegsinfektionen, Fußpilz), schlechte Wundheilung, Juckreiz, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Erbrechen, Übelkeit.
Mögliche Ursachen einer Hyperglykämie: zuviel gegessen (Diätfehler), Tabletten nicht genommen (lnsulinspritze vergessen), Tabletten wirken nicht mehr, bestimmte Medikamente (z.B. Cortison), Streß.
Erkrankungen und Infektionen sind ebenfalls Streßsituationen, die einen erhöhten Energiebedarf bedeuten, Streßhormone (z.B. Adrenalin) werden ausgeschüttet, diese setzen Zucker aus den Speichern (Leber, Muskel) frei > Energie wird bereitgestellt. Ist zu wenig Insulin vorhanden, kann der Zucker nicht in die Zelle geschleust werden und der Blutzuckerspiegel steigt.
Bei einer Unterzuckerung = H Y P O G L Y K Ä M I E ist zu wenig Zucker im Blut und es besteht ein akuter Energiemangel (Unterversorgung mit Glukose)!! Ursachen:
Bei Typ 1 und Verwendung von Insulin: zuviel Insulin gespritzt; zu wenig gegessen; zu großer zeitlicher Abstand spritzen - essen.
Bei Typ 2 und bei Einnahme der Medikamentengruppe Sulfonylharnstoffe oder Insulinreleaser: zuviele Tabletten genommen oder zu wenig gegessen sowie bei Verschlechterung der Nierenfunktionen.
Für beide Typen gilt: bei sehr großer körperlicher Anstrengung (dabei kommt es aus dem Nebennierenmark zur Freisetzung von Adrenalin, das den Blutzucker erhöht) oder bei zu viel Alk - dieser wird in der Leber abgebaut; muß die Leber mehrere Krügerln Bier + einige Portionen von „kuhlen“ und lustigmachenden, aber herzhaften Nebengetränken für „richtige“ Männer und selbstbewußte Emanzen bewältigen, hat sie keine Zeit mehr für die Zuckerherstellung (Gluconeogenese = Glucoseneubildung)!
Unterzuckerung (= Blutzucker < 70 mg / dl) entwickelt sich innerhalb von Stunden; dieser Wert ist nur ein Richtwert, denn jeder menschliche Körper reagiert unterschiedlich > Symptome einer Unterzuckerung können schon bei höheren oder erst bei niedrigeren Werten auftreten! Unter 50 mg / dl sollte der Blutzuckergehalt jedenfalls nicht absinken.
Anzeichen: Schweißausbruch - Zittern - Heißhunger - Gangunsicherheit - Herzklopfen.
Es können zwar die meisten Körpergewebe bei tiefem Blutzuckergehalt andere Energielieferanten als Glukose verwenden, aber das Gehirn ist vollständig von einer gleichmäßigen Glukoseversorgung abhängig, weil es keine anderen Energiequellen (Aminosäuren, freie Fettsäuren ...) als Brennstoff verwenden kann; auf eine Unterzuckerung reagiert es folglich sehr empfindlich und deshalb sind die meisten Symptome von Hypoglykämie mit mentalen Funktionsstörungen verbunden = Neurohypoglykämie: Sehstörungen, epileptische Anfälle, Sprachstörungen, innere Unruhe, Weinanfälle, Aggressionsausbrüche,
Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, Bewußtseinseinschränkungen ... Ohnmacht - es ist die unangenehmste Form der Unterzuckerung.
Jeder Diabetiker erlebt seinen „Hypo“ anders; wichtig ist, ihn rechtzeitig zu erkennen!
Erste Hilfe: Gabe von möglichst schnell resorbierbaren Kohlehydraten (Traubenzucker, gesüßte Fruchtsäfte). Bei Bewußtlosigkeit nichts einflößen (Erstickungsgefahr!), Atemwege freimachen, (Gebiß / Essensreste entfernen), Seitenlage. Geschulte Angehörige können auch eine Glukagon- Injektion verabreichen. Es dauert dann etwa 15 Minuten, bis die Symptome verschwinden!
Viele Hunde können offenbar Unterzuckerung ihrer Halter erspüren. Es gibt zahlreiche Berichte von Diabetikern, die von ihren Hunden durch Bellen in der Nacht geweckt wurden, wenn sie an Unterzuckerung litten (wikipedia).
S P Ä T K O M P L I K A T I O N E N
Als Folge eines monatelangen ungenügend eingestellten Diabetes mellitus (gemeint ist bei zu hohen Blutzuckerwerten) kommt es zu allgemeiner Müdigkeit und Konzentrationsschwäche, zu körperlicher und geistiger Antriebslosigkeit. Noch unangenehmer sind die jahrelangen Langzeitschäden:
. 1) Große Blutgefäße = Arteriosklerose. Diese wird zusätzlich begünstigt durch zu hohen Blutdruck, zu hohe Blutfette und Rauchen. Die Folge davon sind Organschäden aufgrund von Durchblutungsstörungen. Betroffen davon ist auch das Gehirn: erhöhtes Risiko für Schlaganfall, frühzeitiger geistiger Abbau, „Verkalkung".
. 2) Herz: Erkrankung der Herzkranzgefäße / Angina pectoris, Herzinfarkt.
. 3) Augen
Die Netzhaut befindet sich im hinteren Bereich des Auges. Sie ist jener Teil des Auges, auf dem das Bild entsteht, vergleichbar dem Film in einer Fotokamera. Die Netzhaut wird von kleinsten Blutgefäßen ernährt. Kommt es bei schlecht eingestelltem Diabetes zur Schädigung der Gefäße, werden diese dünn. Ausbuchtungen der Gefäße und Austritt von Blut (Aneurysmen) sind die Folge; im weiteren Verlauf kommt es zu Gefäßneubildungen (proliferative Retinopathie). Durch die Netzhautblutungen kommt es zur Netzhautablösung, wodurch die Netzhaut den Kontakt zu jener Schicht verliert, von der sie ernährt wird. Gefäßschädigung durch Diabetes kann zur Netzhautablösung und > unbehandelt zur Erblindung führen.
Weiters bei Diabetikern häufig ist grauer Star (Katarakt): Trübung der Linse;
grüner Star (Glaukom): Augeninnendruckerhöhung; Glaskörperblutungen.
. 4) Füße / Beine: Geschwüre, Auftreten von Schmerzen in den Beinen bereits nach kurzer Gehstrecke - Ruheschmerz - Schwarzfärbung und Absterben.
Vorbeugung gegen Arteriosklerose:
Blutzucker gut einstellen (siehe oben); Senken der Blutfette (Cholesterin < 180 mg / dl, Triglyceride < 150 mg / dl); Harnsäure < 6; Blutdruck wenn möglich nicht über 130 / 80; konsequent(!) das Rauchen einstellen; Bewegung > bei Bewegung / Muskelarbeit wird Zucker verbrannt und der Blutzuckergehalt sinkt, und ein bewegungsgewohnter Körper ist insulinempfindlicher als ein Wabbler - und Bewegung killt außerdem auch Fett! (Sehr große körperliche Anstrengung kann aber den Blutzuckerspiegel erhöhen.)
Regelmäßige Blutdruckkontrolle, denn der Blutdruck hat keinen konstanten Wert > die Zahlen schwanken. Die alte Regel Blutdruck = Lebensalter + 100 gilt übrigens nicht mehr! * Gegen zu hohen Blutdruck: Bewegung, salzarme Kost, Streßvermeidung.
. 5) Nieren
Die Aufgabe der beiden Nieren ist es, den Körper von anfallenden Giftstoffen zu reinigen und über den Harn auszuscheiden. Bei schlecht eingestelltem Diabetes kommt es zur Schädigung der kleinen Nierengefäße > die Filterfunktion der Niere wird gestört. Zunächst wird der Filter durchlässig für Substanzen, die normalerweise nicht beim Pinkeln ausgeschieden werden. Es kommt zur Eiweißausscheidung im Harn. Allmählich nimmt die Filterfunktion der Niere entscheidend ab und harnpflichtige Substanzen können nicht mehr entfernt werden (Kreatinin) > es kommt zum Nierenversagen. Letzte Konsequenz > Dialyse (Blutwäsche) erforderlich. Ein weiterer Risikofaktor für Schädigung der Nierengefäße ist der bereits sattsam bekannte hohe Blutdruck.
. 6) Nerven aller Art ... > diabetische Nervenschädigungen
Die Folgen sind Muskelschwäche, rasche Ermüdbarkeit, Empfindungsstörungen (Kribbeln, Taubheitsgefühl, Verminderung der Schmerz- und Temperaturwahrnehmung) > bei Beeinträchtigung des Warnschmerzes größere Verletzungsgefahr; Schluckstörungen, Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Impotenz, Störung der Schweißsekretion, trockene und rissige Haut, Störung der Hypoglykämiewahrnehmung ...
Nachtrag zu den Füßen und Beinen, denn die haben ja auch Nerven:
Durchblutungsstörungen, schlechte Sauerstoffversorgung, brennende Fußsohlen, allgemeine Schmerzen bei Belastung, kalte Füße, verzögerte Wundheilung > erhöhte Infektionsbereitschaft, schlecht heilende, fortschreitende Geschwüre ...
Genug der grauslichen Möglichkeiten!
Künftige mögliche Therapieaussichten:
Herstellung künstlicher (implantierbarer) Inselzellen, die nicht abgestoßen werden; „Umpolung“ von Stammzellen zu Inselzellen; das insulinähnliche Wachstumshormon „IFG1“ ?
Die größte Schwierigkeit bestand für mich darin, die Fülle der teilweise sehr anspruchsvollen und interessanten Quellen (Lexika, ärztliche Fachbücher, Internet) zu „vereinfachen“. Noch einmal: die Wichtigkeit des Themas scheint mir Abstriche in der Syntax und in der Wortwahl sowie einzelne einprägende Wiederholungen zu rechtfertigen; der Gebrauch gewisser Termini und Medikamentenamen war jedoch unvermeidlich.
Allen Lesern, die mit dieser Information etwas anfangen können UND wollen, wünscht viel Erfolg bei der etwaigen Umsetzung in der Praxis (und sei es auch erst in 20 Jahren ... )
DIABETES und PIERCINGS
In Austria ist die Situation eindeutig, denn Diabetes ist eine der angeführten Kontraindikationen (Hindernisgünde) für den Piercer oder Tätowierer, den Kundenwunsch auszuführen. Auf der vom Interessenten zu unterschreibenden Einverständniserklärung versichert dieser, daß er (unter anderem!) nicht davon betroffen ist.
Grund dafür ist die schlechte(re) Wundheilung und die Panik der Gesetzesmacher vor einer möglichen Unterzuckerung während oder unmittelbar nach dem Piercingvorgang. In der Praxis spießt es sich an zwei Tatsachen (in welch beiden Fällen der Piercer nachträglich nicht belangt werden kann):
Viele nach neuem Schmuck ganz gierige Leute kommen auf einmal pumperlgesund angetanzt - keine Spur von Kopfweh vom vorabendlichen Alken ungeachtet des glasigen Blicks, keine Erinnerung an die vorherige Einnahme von „blutverdünnenden“ Medikamenten (auch Aspirin gehört dazu!), keine fiebrige Erkältung trotz Triefnase und Kotzerei („Nein, nein, das bißchen Husten kommt von der ungewohnten Zigarettenmarke, die mir jemand geschenkt hat ...“), überhaupt keine Hauterkrankung ...
(Allerdings: wenn dem österreichischen Piercer trotz gegenteiliger schriftlicher Bestätigung die Sachlage nicht verborgen bleibt, dann dürfte er nicht Hand anlegen!)
Der zweite (gar nicht so seltene) Grund für die Umgehung der gesetzlichen Vorschrift ergibt sich aus folgendem Umstand: weil miserable Blutzuckerwerte anfangs nicht erkannt werden, schreiben manche Körperschmuckfreunde lauteren Herzens unabsichtlich eine falsche Angabe. Diabetes tut (so wie Bluthochdruck!) nicht weh, man / frau merkt den zu hohen Blutzuckergehalt einfach nicht - erst wenn die grimmigen Folgeschäden auftreten, kommt die Misere zutage ...
Es geht nicht darum, ob es einen Piercer stört, daß ein Kunde Diabetiker ist - in Austria ist es (egal, ob der Piercer / Tätowierer von der Materie eine Ahnung hat) schlichtweg verboten, solche Leute zu bearbeiten. Das Gesetz führt Diabetes wörtlich als eine der Gegenindikationen an.
Natürlich unterscheidet es dabei bewußt nicht zwischen Typ 1 und 2 oder den verschiedenen Stadien der Krankheit (oder allfälligen Akutphasen) und bietet auch keine Chance der Körperschmuckanbringung bei besonderer Berücksichtigung des Einzelfalles. Ich kann das durchaus nachvollziehen, wenngleich die Gesetzeslage auch in diesem Teilbereich für mich nicht befriedigend ist. Alternativen (= unter bestimmten Voraussetzungen akzeptable Bedingungen) ergeben sich ja aus dem Text des Artikels.
Quellenverzeichnis:
http://www.medizinfo.de/
Unterlagen (+ persönliche Vorträge einschließlich Fragenbeantwortung) zur niederösterreichischen Piercingprüfung (medizinischer Teilbereich St. Pölten, Herbst 2004) von Philipp Olivier: Anatomie (Dermatologie), einfache Histologie ... , Physiologie / Wundheilung, Hygiene / Virologie, simple Pathologie ... “ , WIFI St. Pölten, Sept. 2003: aus dem Kapitel „Physiologie - Stoffwechsel“
Maxim ZETKIN und Herbert SCHALDACH: „Lexikon der Medizin“, Elsevier- Verlag, 2005 / 16
http://www.uniklinikum-dresden.de/NewsCommander/ncbeitrag.asp?id=2269
Unterlagen „Diabetes“ (2009) des Wilhelminenspitals Wien
Aus einem Gedankenaustausch mit einer Piercerin („NeedlesandPins“, Aug. 2008):
Beim Piercen von Diabetikern habe ich sowohl negative (Piercing wieder raus) als auch sehr positive Erfahrungen gemacht: Diabetiker haben manchmal ein besseres Gefühl für ihren Körper, gehen vorher zum Doc und fragen, ob sie gerade dürfen, kümmern sich, weil sie das ohnehin jeden Tag machen und haben meistens eine mehr als gute Einschätzung der Lage, was den Zustand ihres Piercings / Tattoos betrifft. Natürlich muss man als Piercer schauen, ob man das Risiko eingeht, ich jedenfalls sage lieber nö, bevor ich mir den Kram reinziehe und Zuckerwerte messe, Diagnosen erstellle und hin und her rechne.
Wenn ein Kunde was verschweigt, macht er sich strafbar. Muss ich wegen jemandem den Notarzt rufen ... werde ich mir schon überlegen, ob der nicht durch sein Tun meinen Ruf geschädigt hat. Ich kann als Kunde nicht einfach so tun, als ob ...
von Hans:
Needle, du bestätigst, was ich schon sagte: manche Kunden verschweigen bewußt einen Grund (oder auch mehrere Fakten), der ein Piercing nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen gestattet oder überhaupt verbietet. (Ob das in einem Land gesetzlich festgelegt ist oder nicht, ist nur juristisch relevant!)
Im traditionell österreichischen Beamtenstaat ist es üblich, möglichst alles reglementieren zu wollen beziehungsweise im Zweifelsfall kein Risiko einzugehen. (Besonders katastrophal hat sich dieses Bestreben im Schulwesen ausgewirkt, wo die Pädagogik von den Advokaten vergewaltigt wurde.)
Im Falle von Diabetes 1 müßte der Piercer / Tätowierer vorher alle Parameter wissen: Insulinart, Applikationsweise, Zeitpunkt und Menge des verabreichten Insulins, dazu Zeitpunkt, Menge und Art der eingenommenen Nahrung sowie den aktuellen Blutzuckerwert.
Bei Typ 2 wäre zumindest die Kenntnis der Medikamente notwendig; wenn ein Patient zusätzlich insulinpflichtig geworden ist, erschwert das die Feststellung des Istzustandes. Noch nicht berücksichtigt sind psychische (Tages)Verfassung und damit oft verbunden die Prognose der Kreislaufentwicklung. Ich kann durchaus verstehen, wenn du das alles eher vermeiden willst. Deine (korrekte) Feststellung, daß sich der eine entscheidende Gegenindikation absichtlich verschweigende Kunde strafbar macht, ist in manchen Fällen leider nicht viel mehr wert als die Aussage, daß es morgen regnen solle.
http://de.wikipedia.org/wiki/Inselzellen
Sendung ORF 2, 6. April 2006 (zu Typ 1)
NACHTRAG:
Der „link“ http://www.uniklinikum-dresden.de/NewsCommander/ncbeitrag.asp?id=2269 zeigt den Beitrag „Transplantierte Zellen sorgen wieder für Insulin-Produktion“ (Nov. 2008) nicht mehr.
Inselzellen-Transplantation ... in Deutschland / Impulse für Diabetes-Forschung.
Die erste am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden vorgenommene Transplantation von Inselzellen aus einer Bauchspeicheldrüse verlief erfolgreich: zwei Wochen nach dem Eingriff bildet die seit 51 Jahren an Diabetes Typ 1 erkrankte Patientin wieder körpereigenes Insulin. Die Transplantation ist Ergebnis einer über zwei Jahre dauernden, aufwendigen Aufbauarbeit an Uniklinikum und Medizinischer Fakultät der TU Dresden. Damit erweitert die Dresdner Hochschulmedizin ihre auch international anerkannte Expertise in der Erforschung und Behandlung von Diabetes. Die am 18. Oktober erfolgte Transplantation von Inselzellen ist bundesweit die erste dieses Jahres und eröffnet neue Perspektiven in Krankenversorgung und Forschung: Das Dresdner Zentrum für Inselzell-Transplantation arbeitet intensiv daran, diese vor gut 20 Jahren erstmals angewandte Behandlungsmethode weiter zu verbessern. Langfristiges Ziel ist es, möglichst viele Diabetiker mit einer Zelltherapie zu heilen. Hierzu muss jedoch noch eine Vielzahl grundlegender Fragen geklärt werden. An diesen Vorhaben beteiligen sich neben den Experten von Klinikum und Medizinischer Fakultät auch Wissenschaftler anderer Dresdner Forschungsinstitutionen.
Die Transplantation einer ganzen Bauchspeicheldrüse oder darin angesiedelter insulinbildender Zellen bedeutet vor allem für langjährige Diabetes-Typ-1-Patienten eine deutliche Verbesserung ihres Allgemeinzustandes. Die jetzt erfolgreich mit Inselzellen transplantierte Patientin leidet bereits seit ihrer Kindheit daran, dass ihr Körper nicht ausreichend Insulin bildet. Im Laufe des langjährigen Diabetes (bei der heute 55jährigen Frau wurde die Erkrankung als Vierjährige diagnostiziert) versiegte die Produktion körpereigenen Insulins vollständig. Trotz kontinuierlicher Insulingabe ... und so weiter.
Es folgte eine ausführliche Anamnese (Krankengeschichte) und OP- Beschreibung.
Wir werden sehen, ob die Hoffnungen in Zukunft erfüllt werden können. |
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Verfasst am: Titel: http://www.forum-piercing.de |
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